Ein Dobson-Spiegel als Schulfernrohr

 

 

Beobachtungsabende außerhalb der Stadt

Lange Zeit fanden Refraktoren mit Öffnungen bis 10 cm, meist jedoch kleiner, als Schulfernrohre Verwendung. Wegen ihrer Kompaktheit konnten sich nach und nach auch Schmidt-Cassegrain-Teleskope, wie sie von zahlreichen Herstellern angeboten werden, an etlichen Schulen etablieren. Neben dem höheren Preis war allerdings selbst bei diesen als besonders mobil beworbenen Teleskopen der Transport und die Installierung des recht umfangreichen Zubehörs ein in Kauf zu nehmender Nachteil. Schön für die Schule, die ein solches Gerät ortsfest einsetzen kann. Die zunehmende Lichtverschmutzung macht allerdings die erfolgreiche Beobachtung interessanter Objekte für den Unterricht besonders der Sekundarstufe II (Galaxien, Gasnebel) von Schulstandorten aus oft schwer bis unmöglich.

Entscheidet man sich für ein Verlegung des Beobachtungsabends hinaus in die Natur, kommen auf die Lehrkraft nicht unerhebliche zusätzliche Mühen für den Transport und den Aufbau der Ausrüstung hinzu. Dabei wird die Bereitschaft für eine Beobachtungsexkursion mit zunehmendem Gewicht, Wert und Kompliziertheit der Ausrüstung abnehmen. Überdies haben die nicht wenigen kleinen Schrauben, Muttern, Kappen und sonstigen Teile die Angewohnheit , nach und nach zu verschwinden.

Testbericht

Der Autor plädiert deshalb für den Einzug der Dobson-Teleskope in die Schulen. Er hat einen 15"-Dobson Spiegel unter unterrichtlichen Gesichtspunkten untersucht und getestet. Es handelt sich um ein Gerät aus der Slowakei (Quelle siehe Anhang). Ähnliche Instrumente werden auch von verschiedenen anderen Firmen - mit teilweise erheblichen Qualitätsunterschieden - angeboten. Das weitgehend in Handarbeit gebaute Instrument macht mechanisch einen hervorragenden Eindruck. Tubus und Gehäuse sind sauber verarbeitet und lackiert, ersterer ist innen aufwändig geschwärzt. Die Haupt- und Fangspiegelzellen sind sehr robust ausgelegt, so dass trotz Transporterschütterungen kaum eine Nachjustierung nötig ist. Das Instrument kann von einer Person komplett getragen und mit zwei Handgriffen aufgebaut werden, ohne dass ein Teil abgesetzt oder von einer weiteren Person übernommen werden muss. Die optische Leistung des handparabolisierten Spiegels (1:6 - 150/900 mm) kann nur als hervorragend bezeichnet werden. Die Auflösung erreicht bei exzellentem Seeing eine Bogensekunde. In den Okularauszug mit Zentralfokussierung passen 1 1/4 Zoll - Okulare. Der 8 mal 30 Sucher erstaunt mit einem großen klaren Gesichtsfeld und ist in präzis justierbaren Rohrschellen montiert. Das Gerät kostet deutlich weniger als 1000 DM (ohne Okulare) !

Gründe für einen "Schul-Dob"

Folgende Argumente sprechen für den Einsatz von Dobson-Teleskopen in der Schule:
- Bei gleichem finanziellem Aufwand, kann ein erhebliches Mehr an Spiegeldurchmesser und damit an Lichtstärke gewonnen werden. Die Deep-Sky-Objekte sind so deutlicher auszumachen als in lichtschwächeren Refraktoren.
- Die Einfachheit der Konstruktion macht langwieriges Aufbauen und Justieren praktisch überflüssig. Somit entfällt jeglicher Zeitverlust, was die Effektivität des Beobachtungsabends steigert. Das Instrument ist ab Ladekante Kofferraum in einer Minute einsatzbereit; ja es kann sogar problemlos in öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden.
- Es ist keinerlei Werkzeug oder weiteres Zubehör zum Betrieb nötig.
- Seine Einfachheit und Robustheit sind wichtige Argumente für den harten Schuleinsatz. Ein "Dob" nimmt so schnell nichts krumm. Es gibt praktisch keine empfindlichen äußeren Teile und die Handhabung ist für jedermann einsichtig. Die Lehrkraft muss nicht erst Stunden mit dem Studieren einer Bedienungs- oder Aufbauanleitung verbringen.
- Da primär das Auffinden und Beobachten der gewünschten Himmelsobjekte im Vordergrund stehen, kann auf eine aufwändige Elektronik und Mechanik verzichtet werden.
- Ein besonderer Raum für die Lagerung ist nicht nötig. Es genügen (senkrecht gestellt) nur 50 mal 50 Zentimeter Stellfläche und die sollten in jeder Lehrmittelsammlung übrig sein.
- Das Instrument eignet sich für Deep-Sky-Objekte ebenso wie - Dank der hervorragenden Optik- auch für hochvergrößerte Blicke auf Mond, Planeten und Doppelsterne. Auf Grund der ausgezeichneten Optik kann z.B. Jupiter bis 300fach vergrößert werden.

Didaktisch "auffrisiert"!

Da Dobson-Spiegel azimutal montierte Geräte sind, bietet es sich an, diesen Umstand auch didaktisch zu nutzen. Das genannte Gerät wurde deshalb mit einem Azimutkreis mit 360 Grad Teilung und einem Elevationskreis mit 180 Grad Teilung versehen. Dazu wurden standardisierte Schul-Winkelmesser verwendet, die eine ebenso praktische wie kostengünstige Lösung darstellen. Sie sind mit wenigen Handgriffen montiert, wobei nur ein paar Löcher zu bohren und einige Verklebungen durchzuführen sind.


Damit besitzt unser "Schul-Dob" nun große Teilkreise. Diese sind auch bei Nacht mit einer Taschenlampe noch gut auf 0,25 Grad ablesbar. Ferner können noch zwei Miniatur-Wasserwaagen aus dem nächsten Baumarkt gute Dienst tun. Denn wenn wir zuverlässig messen wollen, muss das Instrument möglichst exakt horizontal aufgestellt werden. Die Einnordnung macht nachts wenig Probleme (Polarstern). Bei Tag hilft ein Kompass, der gleichfalls auf der Bodenplatte befestigt werden kann. So ausgestattet ermöglicht das Instrument eine ganze Reihe von Messungen wie:

- Messung einer Gestirnshöhe über dem Horizont und damit
- Bestimmung der geografischen Breite (Polarstern. oder Kulmination eines Sterns auf dem Himmelsäquator)
- Messung trigonometrischer Parallaxen in der Landschaft als Vorbereitung auf die astronomische Entfernungsmessung
- Messung von Sternabständen
- Messung von Gestirnsörtern und deren Veränderung , u.v.m.

High-Tech-Ehe mit dem PC

Der weltweite Siegeszug der Dobson-Fernrohre beruht auf der Minimalisierung der technischen Komponenten. Verheiraten wir unser Low-Tech-Teleskop am Beobachtungsabend jedoch mit einem mitgebrachten Laptop, wird das Beobachten zum Vergnügen. Fast jedes Sternkartenprogramm bietet die Gestirnsörter sowohl im Horizont- als auch im äquatorialen Koordinatensystem an. Das ermöglicht es nun, den eingenordeten und mit den Wasserwaagen nivellierten Dobson-Spiegel als Demonstrationsobjekt für die Exaktheit astronomisch-mathematischer Berechnungen zu gebrauchen. Wir lesen zum gegebenen Zeitpunkt einfach die Horizont-Koordinaten des gewünschten Beobachtungsobjektes auf dem Rechner ab und stellen sie an den Winkelmessern ein. Bei Verwendung eines 25mm-Weitwinkel-Okulars beträgt das Gesichtsfeld gut 2 Grad. Damit ist ein Verfehlen eines Objektes nur bei grober Falschaufstellung zu befürchten.

C 2005 K.Hopf