Meade Lightbridge de Luxe - 25cm Dobson - Testbericht

Die neue Meade Lightbridge-Serie umfasst drei Gitterrohr-Dobsons mit 20, 25 und 30cm Spiegeldurchmesser. Alle drei Geräte sind nach denselben Konstruktionsprinzipien gebaut und dürften sich daher weitgehend ähneln.

Ikea lässt grüßen....

Ein original verpackter Lightbridge ist selbst in der mittelgroßen 25cm-Version nichts für Schwächlinge. Das Instrument wird in zwei festen Pappkartons, die mit Folie und Spannbändern auf einer Europalette festgezurrt sind, angeliefert. Dass die "Lichtbrücken" nicht in die Kategorie "Leichtfernrohre" gehören, sondern eine absolut solide Baureihe mit bemerkenswert hochwertigen Details ist, stellt sich bald heraus.Nach dem Auspacken und Sortieren der vollständigen Teile, die ohne jegliche Kratzer und Beschädigungen waren, ist das Teleskop mit Hilfe der mitgelieferten Inbussschlüssel und eines zusätzlichen Kreuzschlitzschraubendrehers in ca. einer Stunde komplett aufgebaut. Bbewegliche Zubehörteile sind auf ein Minimum beschränkt. Hauptspiegelzelle und Fangspiegeleinheit sind komplett vormontiert und vorjustiert.

 


Warum kompliziert, wenn`s auch einfach (und besser) geht?


Die Gitterohrkonstruktion ist ein ebenso einfaches wie perfektes Konstrukt. Statt 4 mal 2 einzelnen Rohren werden drei Strebenpaare eingesetzt. Das reduziert die Zahl der zu transportierenden und zu verbindenden Teile von 8 auf drei. Muttern oder Schrauben, von denen konsequenterweise ebenfallsl weniger nötig sind, können nicht verloren werden, da sie fest in den Gewinden am Instrument verbleiben. Die Buchsen sind teilweise aus Messing gefertigt. Dank der präzisen Fertigung passen die Teile sofort. Es gilt nur die Rohrenden einzustecken, sechs Schrauben anzuziehen und der Tubus steht.

 

 

 

Was für ein OAZ!

Bevor eine passende Nacht die optische Qualität des Fernrohrs zeigen wird, tastet das Auge des Sternfreunds natürlich die baulichen Feinheiten ab. Zweifellos stellt der "Crayford-Style"-Okularauszug ein echtes Highlight dar. Böswillige Kritiker mag er zu der Bemerkung veranlassen, was so ein Präzisionsteil an einem Dobson, an dem man wohl kaum fotografische Spitzenleistungen zu vollbringen gedenkt, soll. Aber es kommt noch dicker: Natürlich ist ein Adapter auf 1 1/4" mit dabei; beide Systeme haben Spannringe - selbstverständlich in Messing!! Der so bediente Sternfreund wird zufrieden lächeln und daran denken, dass er wohl ein Schnäppchen gemacht hat, wäre da nicht das flaue Gefühl und die Frage, ob die Qualität der Optik, die nun mal das Kernstück jeden Teleskops darstellt, diesem mechanisch gesetzten Highlight folgen wird.

 

De Luxe or not de Luxe, that is the question

Die de Luxe- Version kommt mit einer auf Wälzlagern laufenden Rockerbox und einem 26mm-WW-Okular mit 2"-Anschluss. Der Leuchtpunktsucher offeriert außerdem vier Zielmarkierungen statt einer. Bei der um 100€ preiswerteren Standard-Version läuft die Rockerbox auf üblichen Teflonpads und hat ein 1 1/4" Standard-Plössl als Okularbeigabe. Laut Hersteller haben die beiden Baureihen jedoch die gleichen Spiegelqualitäten eingebaut.

Erste Blicke bei Sonnenschein in die Landschaft zeigen, dass ein Lightbridge keineswegs tagblind ist, sondern auch hier ein kontrastreiches Bild liefert. Außerdem wird man erfreut feststellen, dass das Fernrohr ästhetisch einen überaus gelungenen Eindruck macht.

 

Kein Leichtgewicht!

Soll der Tubus für den Transport zerlegt werden, (er passt aber auch ganz gut auf die Rücksitzbank eines jeden normal großen PKWs) ist er von einer Person in weniger als 3 Minuten montiert. D.h. der Gesamtaufbau ab PKW dauert weniger als 5 Minuten. Überraschend war die Tatsache, dass das Instrument zu gut 80% vorkollimiert war. Erstaunlich für ein aus dem Karton aufgebautes Gerät. Der Rest ist für den versierten Sternfreund Minutensache. Anfänger sollten sich jedoch in die Justierung einarbeiten, denn ein 1:5- Newton nimmt kleine Abweichungen schnell übel und bestraft sie mit mieser Bildqualität.

Das Gesamtgewicht des "betriebsfertigen" 25cm-Lightbridge beträgt ca. 30kg, die Rockerbox allein wiegt 12,3 kg, der komplette Tubus 17,5 kg, die Fangspiegelzelle allein 2,7kg und die Gitterstäbe allein 0,9 kg.

Goto-Träume

Da die Rockerbox auf zwei großen Drehscheiben ruht, die durch die Wälzlager sehr leichtgängig sind, wäre es sicher reizvoll, über Möglichkeiten zur Nachführung nachzudenken. Die sehr straffe Bewegung in Elevation fordert hier allerdings den Erfindergeist. Bastlern ist hier ein weites Versuchsfeld gegeben. Für alle Fälle hat der Hersteller eine CD mit der Meade Astrostar Software beigelegt, die neben einem guten Sternkartenprogramm, die Möglichkeit einer Teleskopsteuerung einschließt und sogar als Zugabe den Hubble-Guide-Star-Katalog enthält.

Die Okularablage ist praktisch an der Rockerbox befestigt. Leider hat sie nur ein Loch für 2"-Okulare. Manche Anbieter liefern jedoch auch eine erweiterte Ablage mit zwei großen Öffnungen ohne Mehrpreis.

Edeldesign!

Ein interessantes Detail bei der Lightbridge- Serie ist das Deklinationslager. Hier werden beidseitig zwei aufwändige, polierte Alu-Räder verwendet. Sie bieten vollflächigen Kontakt, statt Teflonpads, die nur punktuellen Kontakt haben. Die seitliche Führung ist ausgezeichnet- fast wie bei einem Kugellager. Da die polierten Laufflächen auf einer Art Textilmaterial gleiten, ist die Verstellung straff aber sehr präzise. Das Handling wurde bei Temperaturen von plus 5 bis minus 15 Grad getestet. Möglicherweise könnte das textile Gleitbett die Reibung drastisch erhöhen, wenn sich das Höhenrad in kalten Herbstnächten mit Tautropfen beschlägt, die dann in den Stoff gedrückt werden. Aber darüber liegen keine Erfahrungen vor.

 

Optik

Ein 1:5 Spiegel (Al-Beschichtung mit MGF2) benötigt bei 25cm Spiegeldurchmesser einen beachtlichen Fangspiegel. (Man vergleiche im übrigen,was so ein Teil einzeln kostet.) Er ist an vier 0,5mm dünnen aber soliden Streben aufgehängt. Damit halten sich zusätzliche obstruktionsmindernde Effekte in Grenzen (Es werden ja von anderen Anbietern auch Teleskope mit 1cm dicken Druckgussstreben verkauft !). Alle Tubusinnenseiten sind schwarz mattiert. Lediglich die umgefalzten Tubusabschlussringe glänzen altweiß. Störende Reflexe konnten nicht ausgemacht werden. Puristen werden da möglicherweise zum Pinsel greifen, was ihnen gegönnt sei. Die erste Beobachtungsnacht (24.1.06) wurde für einen Sterntest benutzt.

 

 

Es zeigte sich bei Vergrößerungen über 200-fach zunächst ein leichter Astigmatismus. Deshalb wurde am nächsten Tag der Spiegel ausgebaut, etwas gedreht und mit weniger Druck der Halteklammern eingebaut. Jetzt lieferte der Spiegel nahezu perfekte Bilder. Die Cassini-Teilung des Saturn war klar zu erkennen, dazu 5 Monde. Der Orionnebel eine Wucht! Sofort sprang das leicht grünliche Leuchten ins Auge. Auf jeden Fall erfüllte dieses Gerät die Spezifikation "beugungsbegrenzt", mit der es beworben wird. Der Sternfreund wird jedoch immer im Auge behalten müssen, dass atmosphärische Faktoren hierzulande die Abbildung möglicherweise viel negativer beeinflussen wie die Konstruktionsparameter der Optik. Mehrere Nächte mit Inversionswetterlagen und einem Seeing von unter 1" sowie Temperaturen von bis zu minus 17 Grad zeigten eine fast einwandfreie nicht zu beanstandende Optik. Die Hauptspiegelzelle basiert auf einem massiven Aludruckgussring mit den üblichen drei Justier- und Konterschrauben. Der 4cm dicke Spiegel lagert auf drei Korkplättchen und besitzt zusätzlich einen eingebauten Lüfter. Tests ergaben, dass das Auskühlen damit je nach Temperaturunterschied um bis zu 50% schneller erfolgt. Aufgestellt aus einem 18 Grad warmen Zimmer war die Anpassung auf minus 15 Grad in 45 Minuten weitgehend erfolgt. Der Hauptspiegel wird mit einer passgenauen Plastikschutzkappe abgedeckt .

Augenweide?

Das mitgelieferte, schwere und mechanisch hervorragend verarbeitete 26mm Weitwinkel-Okular mit einem Eigengesichtsfeld von 70 Grad kann optisch die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Es zeigt schon bei 50% des Gesichtsfelds verzerrte Sternabbildungen, die auf das Konto der Koma des Hauptspiegels gehen. An einem Refraktor lieferte das Okular hingegen eine deutlich bessere Randschärfe. Bilder z.B. mit einem 15mm WA oder einm 26mm Standard-Plössl der China-Klasse sind jedoch durchaus brilliant und kontrastreich. Ob der Einsatz hochwertigerer Okulare des Herstellers oder z.B. eines 20mm Nagler, der Speers-Whaler oder Pentax-Okulare sinnvoll ist, sei dem Geldbeutel des Besitzers überlassen. Immerhin ist dafür fast 50% des Anschaffungspreises dieses Teleskops aufzuwenden. Auf den Einsatz von 2"-Okularen könnte bei der Brennweite von 1270mm durchaus auch ganz verzichtet werden, es sei denn sie beinhalten Koma korrigierende Eigenschaften.
Besonders wichtig: Der Schlupf der Höhenräder ist ausreichend stark, so dass auch bei schweren 2"-Okularen das Teleskop nicht "in die Knie" geht. Zusätzliche Klemmen oder Federn wie bei anderen Dobsons sind also nicht nötig.


Instant-Fotografie!


Ein Dobson erlaubt auch ohne Nachführung astrofotografische Tätigkeit. Da ich es einfach mag, fotografiere ich den Mond in afokaler Projektion am liebsten freihändig mit der Digitalkamera. Bei Verwendung eines 20mm Okulars liegen die Belichtungszeiten hier bei 1/60 bis 1/90 s, so dass man bei einigermaßen ruhiger Hand eine Serie ausreichend vieler und scharfer Bilder erhält. Auf diese Weise ist das nebenstehende Bild entstanden.

 

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Mondsüchtig....

Natürlich hat die Freihand-Methode ihre Grenzen. Aber wenn Fotos wie das nebenstehende gelingen, freut man sich. Hier wurde der zunehmende Mond , afokal mit 15mm Plössl Okular abgelichtet. Das dreifache optische Zoom der Kodak-Digitalkamera 7630 sorgte für die nötige "Nähe". Das Bild ist eine Einzelaufnahme, die nur wenig bildbearbeitet wurde. Was an Schärfe vorher nicht drin ist, kann man meist auch nicht nachträglich hineinrechnen.

Gute Wetterbedingungen und ein gutes Auge beim Scharfstellen sind dabei schon "die halbe Miete".

 

Noch näher...

geht es mit einer Video oder Webcam wie der ToUCam Pro II von Philips. Man nimmt einen kurzen Videofilm auf, bei dem es nichts ausmacht, wenn sich das Objekt leicht bewegt. Die Videokamera kann auch wieder einfach mit der Hand ans Okular gehalten werden. Die Software GIOTTO sucht sich aus den etlichen hundert Bildern die besten heraus , addiert, filtert und schärft sie. Das Bild zeigt die Umgebung der Krater Jansen, Metius, Fabricius und Steinheil am Terminator des viereinhalb Tage alten Mondes.

Wenn man bedenkt, dass der visuelle Eindruck noch um ein vielfaches beeindruckender ist, hat man mit einem Lightbridge ein hochwertiges, robustes Fernrohr zu einem überaus erschwinglichen Preis, das nicht nur Einsteiger begeistert, sondern über Jahre oder Jahrzehnte hinweg zum zuverlässigen Begleiter des beobachtenden Sternfreunds werden kann.

 


Ins Visier genommen

Ein interessantes Detail ist der Leuchtpunktsucher, der bei der de -Luxe-Version mit vier zusätzlichen Visierhilfen geliefert wird. Die Helligkeit lässt sich in fünf Stufen verstellen, die schwächste Stufe ist allerdings für Deepsky-Objekte immer noch zu hell. Der Sternfreund weiß sich mit einem kleinen Graufilter zu helfen. Messier-Beobachter, die diese Objekte wie ihre Westentasche kennen, werden diese praktische und gut funktionierende Neuerung begrüßen. Wer es lieber optisch mit einem 50mm-Sucher probieren will, muss ein wenig basteln und eine Zusatzinvestition tätigen, auf die durchaus verzichtet werden kann. Der Stromverbrauch des Suchers ist minimal. Auch wenn man vergisst, den Ausschalter zu betätigen, ist das kein Malheur, denn selbst nach Tagen zeigt sich das kleine Lichtlein unbeeindruckt.

 

Fazit

Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass auch alle anderen Geräte der Serie dieselbe optische Qualität zu eigen ist, wie sie dieses Testmodell auszeichnet. Dann könnten die Lightbridges tatsächlich den Astromarkt aufrollen und die Einsteigermodelle der Billignewtons im 70 bis 150mm- Bereich - und nicht nur die- gehörig ins Schleudern bringen. Denn warum mit lichtschwachen "Gurken" auf Ratetour am Himmel gehen, wo man gleich mit der nötigen Öffnung - und dem entsprechenden Lichtsammelvermögen - die Objekte in beeindruckender Klarheit sehen kann.

Keine Frage, dass ein Lightbridge auch ein respektables Schulfernrohr darstellt. Die Einfachkeit des Aufbaus und der Bedienung sowie die solide Konstruktion sind eindeutige Pluspunkte für diesen Verwendungszeck. Da sich ein Dob nicht selber justiert und die Objekte nicht von selbst findet, sollten Lehrkräfte wie Schüler jedoch ein Mindestmaß an astropraktischer Erfahrung besitzen oder erwerben wollen.