Die Komplett-Sternwarte zum Taschengeldpreis-MEADE LXD 150/750 - Testbericht

Ein komplett vom Computer gesteuertes Teleskop auf parallaktischer deutscher Montierung für unter 1000€ hätte man vor nicht allzu langer Zeit noch für einen Scherz gehalten. Aber China macht´s möglich und so kann man dieses nahezu perfekte Amateurteleskop für sage und schreibe 899 € (Stand 2008) erwerben.

MECHANIK

Der Teleskoptubus ist äußerst kompakt und bringt beachtliche 6 Kilogramm auf die Waage. Dennoch kann er gut per Hand über die Prismenschiene mit der Montierung verbunden werden. Im Grunde hat man mit der LXD- Montierung ein Allround-Arbeitspferd, das sogar noch einen 200/1200 Newton verkraftet und sicher nachführt. Das tut die LXD allerdings erst dann, wenn man bereit ist, die ausführliche und gut dokumentierte Betriebsanleitung zu studieren. Schritt für Schritt gilt es nämlich alle mechanisch-optischen Komponenten aufeinander abzustimmen.

Das beginnt mit einer exakten Justierung des mitgelieferten Polsuchers und endet mit einer feinfühligen Einstellung des Getriebespiels beider Antriebseinheiten und dem anschließenden Motortraining. Dabei sollte man am besten das Fernost-Klebefett auf den Getriebeteilen entfernen und durch ein gutes harzfreies Mehrzweckfett ersetzen. Teleskop und Montierung wiegen stattliche 30kg - man hat es also keineswegs mit Billig-Schrott zu tun. Das Stativ ist bei moderatem Gewicht äußerst solid und standfest.

Der Okularauszug wird mit 1 1/4" und 2" Adapern geliefert. Sogar ein T2-Adapter findet sich anbei. Der OAZ ist ausreichend dimensioniert, allerdings,läuft er selbst nach etlichen Einstellversuchen etwas schwergängig, was sich vor allem in kalten Nächten negativ auf feinfühliges Fokussieren auswirkt.

Orionnebel in afokaler Projektion mit nur 60s (!) in Kodak Digicam 7630.


Saturn mit Toucam II pro (5% aus 500 Bildern)

OPTIK

Die 152/762 Optik ist nach dem klassischen Newton-Prinzip gebaut. Bei der "schnellen Öffnung" von 1:5 ist ein guter Parabolspiegel (Plate-Glass) unabdingbare Voraussetzung für ein scharfes Bild. Die Leistung der Optik lässt diesbezüglich keinerlei Mängel erkennen. Die Bilder sind messerscharf. Durch den großen Fangspiegel (54mm) und den lang bauenden Okularauszug erweist sich das Gerät besonders für Fotografen interessant. Problemlos lassen sich auch große SLR-Kameras ohne Abstandshülsengeschraubsel befestigen. Trotz der bauartbedingten Obstruktion von fast 13% sind die Bilder dennoch kontrastreich. Unerwarteterweise gaben auch Planeten bei hoher Vergrößerung schöne Details preis.

Alle Spiegeloberflächen verfügen über eine helle Verspiegelung, denn die Bilder lassen wirklich nichts zu wünschen übrig. Eine Freude ist es natürlich, mit diesem Instrument auf die Jagd nach den Messierobjekten zu gehen. Hier tut das mitgelieferte 26mm Super-Plössl Okular der Serie 4000 gute Dienste. Da es aber auch kein Problem ist, enge Doppelstern wie Epsilon Lyrae oder Einzelsterne in M13 zu erhaschen, empfiehlt sich die maßvolle Erweiterung der Okularsammlung z.B. um ein 15mm Weitwinkel, ein 9mm und ein 6mm Okular. In Relation zum Anschaffungspreis des Teleskops genügt es auch hier, sich aus der Fernostkiste zu sehr vernünftigen Preisen zu bedienen, denn es macht wenig Sinn, für Okularzubehör ebensoviel Geld auszugeben, wie das Teleskop kostete.

Bereits mit preiswerten Webcams oder Digitalkameras kann der Einstieg in die Astrofotografie gewagt werden. Wie die nebenstehenden Beispiele zeigen. Damit outet sich das Teleskop als echtes Allroundtalent. Mit einem zusätzlichen Sonnenfilter steht auch der Sonnenbeobachtung nichts im Wege, sofern die entsprechenden Sicherheitsvorschriften beachtet werden.

 

ELEKTRONIK

Die MEADE-Autostar-Handbox ist das Herzstück und Steuerzentrale. Das nahezu ausgereifte System lässt keine Wünsche offen und funktioniert tadellos. Neueinsteigern wird aber dringend geraten, sich geduldig in die Handhabung einzulesen. Nach einigen Beobachtungsnächten gehen die Steuerhandgriffe soundso in Fleisch und Blut über und auch die Menüarchitektur prägt sich schnell ein, so dass ein Blick in das vorbildlich strukturierte und ausführliche deutsche Manual nur noch selten nötig ist.

Keine Angst braucht man haben, dass die Steuerung das Teleskop gegen das Stativ fährt. Bei entsprechender Stellung wird beim nächsten Positionierungsvorgang automatisch durchgeschwenkt. Außerdem kann man der Steuerung mitteilen, ob z.B. ein kurzer SC oder ein langer Refraktor montiert ist. Über ein zusätzliches Kabel ist das Teleskop auch durch eine Astro-Software über einen Laptop anzusteuern. Das dazu benutzte LX200-Protokoll ist einer der wegweisenden Standards auf diesem Gebiet. Anstelle von Batterien im mitgelieferten Gehäuse sollte das Gerät jedoch Kosten sparender und umweltfreundlicher über eine 12V Akkustation (s. Bild links unten) betrieben werden.

Das 152/762-LXD als Schulfernrohr

Vom Preis -Leistungsverhältnis her gesehen, kann man wohl kaum eine bessere Kombination finden, die prinzipiell auch für eine Schule keine Wünsche offen lässt. Für Grundschulen wird man jedoch mit einem weniger komplexen System besser bedient sein. Auch das Transportgewicht spricht gegen einen schnellen Einsatz. Sinnvoll ist es allemal dort, wo selbst an Astronomie interessierte Lehrkräfte vorhanden sind. In der Hand von Schülern stellt das LXD ein ideales Lern- und Forschungswerkzeug dar, mit dem z.B. im Rahmen von "Jugend forscht"-Themen auch anspruchsvolle wissenschaftliche Arbeit geleistet werden kann.


Fazit

Ein äußerst preisgünstiges und dabei erstaunlich hochwertiges Teleskop. Es eignet sich sowohl für jene Jugendliche, die z.B. mit einem azimutalen Billiggerät in die Astronomie eingestiegen sind nun "aufsteigen" und mehr sehen und entdecken wollen, ohne das Sparkonto allzusehr in die roten Zahlen rutschen lassen zu müssen.

Schulischer Einsatz sollte durch Lehrkräfte und/oder Schüler mit entsprechenden amateurastronomischen Kenntnissen erfolgen. Unter diesen Voraussetzungen ist die Kombination jedoch ein verlässliches Bildungsmedium, dessen Anschaffungskosten jederzeit im Rahmen von Schulbudgets oder Fördervereinen liegt.

Gerade für das Astronomische Jahr 2009 gäbe es wohl kein schöneres Geschenk für eine Schule als ein solches Teleskop.