Ein Astro-Zwerg, der es in sich hat -VIXEN Skypod VMC 110 L mit Starbook S - Testbericht

Die Vixen-Skypod-Montierung lässt sich mit verschiedenen Instrumenten bestücken. In der hier besprochenen Version kam das VMC 110 L auf dem Tischdreibein zum Einsatz. Selbstverständlich kann die Skypod auch auf einer Säule azimutal oder parallaktisch befestigt werden.

Die Sky-Pod-Montierung

Die motorgetriebene Montierung wird ohne Werkzeug mit einer Handschraube auf dem Aluminium Bodenfuß befestigt. Damit steht das Instrument wackelfrei und sehr sicher - Umfallen ist nicht möglich. Hinter dem blauen Schraubdeckel (rechts) befindet sich ein nicht mitrotierender Gewindestumpf. Er dient zur Aufnahme von Gegengewichten, wenn man z.B. große Digitalkameras, Binokularansätze oder einfach ein anderes schwereres Teleskop als das VMC 110 L verwenden möchte. Auf Grund ihrer Kompaktheit sind Schwingungen kein Problem. Im ABS-Gehäuse, das die Azimutachse umgibt sind der Batteriehalter und die herausnehmbare GOTO-Steuerung untergebracht. Die Montierung lässt sich ausschließlich ferngesteuert bewegen und kommt ohne zusätzliche Klemmen aus. Da gesamte Gerät wiegt nur knapp über 6 kg. Ein vergleichbarer parallaktisch montierter Refraktor käme auf gut das Dreifache Gewicht. Laut Hersteller verträgt die Skypod sogar Kompaktteleskope bis 20cm Öffnung.

Das VMC-110 L

Das VMC 110 L ist ein so genannter Field-Maksutov. Das Frontelement ist in verkleinerter Form vor dem Fangspiegel platziert. Somit ist der Tubus offen und es entsteht kein lästiges Tubus-Seeing wie bei klassischen Maksutov- oder Schmidt-Cassegrain-Optiken. Der Fangspiegel wird von einer innovativen gekrümmten Spinne (curved spider) sicher gehalten. Das vermindert Beugungseffekte. Die Optik ist von gewohnt messerscharfer Qualität, die Fokussierung sehr feingängig und gleichmäßig. Als besonderes "Schmankerl" besitzt das VMC 110 L gleich zwei Okularstutzen, die durch einen Schwenkspiegel mit Licht versorgt werden. Somit ist ein rasches Umschalten von der visuellen Beobachtung zu einer fest montierten Kamera (im Bild oben eine Webcam) möglich. So etwas sucht man bei weitaus teureren Geräten vergebens. Der Tubus lässt sich außerdem in mehreren Positionen an der Skypod befestigen, so dass verschiedene Einblickvarianten möglich sind. Der Visiersucher ist besser dimmbar als vergleichbare Modelle, besitzt aber dafür nur einen Visierpunkt und kein Fadenkreuz.

Die GOTO-Steuerung Starbook Typ S

"Skypod"- ist sicher kein zufälliges Wortspiel, kennt man doch ähnliche Vokabeln aus der Multimediawelt. Keine Frage: Das ganze Teleskop zielt nicht nur auf fernreisende Amateurastronomen sondern auch auf die "knöpfchendrückenden" Kids. Beiden wird es rasch möglich sein, das Gerät zu bedienen. Ein erfahrener Hase schafft das sogar auch ohne die Hilfe der guten deutschen Bedienungsanleitung. Mit den zwei Betriebsmodi kommt man schon nach wenigen Minuten rasch klar. Die zahlreichen übrigen Betriebsvarianten hier aufzuzählen, ist nicht der Platz. Ein Highlight stellt die zoomabhängige Feinbewegung in beiden Achsen dar. Je größer die Sternkarte dargestellt wird, desto feiner lässt sich die Skypod steuern, weil die passende Geschwindigkeit automatisch gewählt wird. Auch ohne GPS findet sich der High-Tech-Astrozwerg schnell am Himmel zurecht. Meist reichen schon zwei Eichsterne. Die Startposition merkt sich die Steuerung und kehrt auf Befehl am Ende der Beobachtung zu dieser zurück. Die Positionierung erfolgt recht rasch und auch bei Kälte einwandfrei.

Spezialitäten

Wer gerne binokular beobachtet, freut sich über einen weiteren "Service", den das ausgefeilte Optikdesign ermöglicht: Der Binokularansatz kann ohne Brennweitenverlängerung installiert und problemlos fokussiert werden. Mit Hilfe von CD/DVD -Spindelhüllen, die perfekt auf den Tubus passen, kann man sich rasch einen Sonnen- Folienfilter bauen. Hier bietet die Optik refraktorähnliche Abbildung bei einem Bruchteil des Aufwands. Bei längeren kalten Beobachtungsnächten empfiehlt sich eine externe Batterieeinheit. Warum VIXEN bei der Stromversorgung auf insgesamt 12 Mignon-Batterien setzt, ist rasch erklärt. Wer schon einmal in fernen Landen wegen fehlender Stromversorgung sein Teleskop lieber an die Wand geworfen hätte, weiß von die Rede ist. AAA-Batterien bekommt man auf dem ganzen Globus und am "Ende der Welt" - Eine Reisefernrohr ist so auch dort betriebsbereit. Das Starbook lässt sich dank unabhängiger Stromversorgung auch unter der Bettdecke und ohne das übrige Instrument nutzen. Man kann den kleinen Vielwisser und benützen, wenn man mit bloßem Auge oder dem Fernglas am Himmel unterwegs ist, und mehr über die zu beobachtenden Objekte wissen will.

Das Skypod VMC 110 L als Schulfernrohr

Der kleine Alleskönner hat das gute Zeug dazu, ein zeitgemäßes Schulfernrohr zu sein. Er ist kompakt, sehr leicht und damit von jedermann zu transportieren. Welche Grundschullehrerin möchte schon gerne 15 oder 20kg durch die Gegend schleppen.
Es erreicht optisch praktisch alle schulastronomisch relevanten Objekte und zeigt sie in einer unterrichtlich nutzbaren Weise, d.h. auch die Planeten haben noch Details. Epsilon Lyrae wird als Vierfachstern deutlich getrennt, der Orionnebel, die Plejaden und die Andromeda-Galaxie wirken dank nicht so großer Brennweite eindrucksvoll.
Die GOTO-Steuerung entlastet vom langwierigen Suchen und führt so zu effektiv mehr zu beobachtenden Objekten. Das Gerät braucht kaum Platz und ist blitzschnell einsatzfertig. Das alles sind Argumente für den uneingeschränkten unterrichtlichen Gebrauch. Eines allerdings erwartet das Skypod von seinem Benutzer: die heute beim Gebrauch von Handy, iPod und MP3-Playern selbstverständliche "Feinmotorik" und "computereristische Logik"- alles eigentlich Grundfertigkeiten eines "zivilisierten Menschen". Wer am Geldautomaten Geld abheben, seinen PC oder sein Mobiltelefon bedienen kann, wird das auch mit diesdem Instrument können.