Vieeel Licht für wenig Geld! - Der Skywatcher 200/1200 Dobson - Testbericht

Vor etlichen Jahrzehnten suchte der weltberühmte US-Amateur John Dobson "das" Volksfernrohr. Da er nichts käuflich fand, was seiner Vorstellung von einem leistungsfähigen aber preiswerten Fernrohr entsprach, erfand er es einfach selbst: das Dobson- Teleskop - heute der in allen Größen offenbar meistgebaute Teleskoptyp der Welt.

Setup by one person in one minute - Aufbau von einer Person in einer Minute

Wer nicht das seltene Glück hat eine eigene Sternwarte zu besitzen, weiß, wie lange es dauert, bis ein richtiges Fernrohr einsatzbereit ist. Hat man sein, in zwei großen, gut verpackten Kartons geliefertes Skywatcher Teleskop einmal zusammengebaut, dann dauert es wirklich nur eine Minute, um es einsatzbereit zu haben: Rockerbox hinstellen, Tubus hineinlegen - fertig.

Genau das war das Konzept von John Dobson, den man zuerst belächelte, weil sein Fernrohr eher einem Küchenmöbel glich. Aber Holz ist eben preiswerter als Aluminium, Messing oder Stahl. Dabei ist das Fernrohr ausreichend solid, um auch mit hoher Vergrößerung. Planeten zu beobachten oder schwache Deep-Sky-Objekte. Der Skywatcher besitzt an der Rockerbox einen bequemen Handgriff, so dass sich diese mir nur einer Hand transportieren lässt. Unter dem anderen Arm hat dann sogar der Tubus Platz und braucht zu seinem Beobachtungtsplatz nur einmal zu gehen. Ist der Tubus eingesetzt kann man mit einer drehbaren Friktionsschraube die Leicht- oder schwergängigkeit einstellen. So kippt der Tubus auchbei einem schweren Okular oder bei zusätzlicher Auflast durch Kameras nicht nach unten.

An der Box befindet sich außerdem eine Winkelschiene für die Aufnahme von Okularen mit 31,5mm und 51mm Steckdurchmesser. Ein klassischer Dobson ist azimutal montiert, also wir ein Aussichtsfernrohr und wird vom Beobachter selbst per Hand nachgeführt. Dies gelingt dank der leichtgängen individuell einstellbaren Drehlager (auch das Lager in der Bodenplatte lässt ohne Werkzeug mit einer Handknopf regulieren) nach etwas Übung problemlos. Die Montierung ist standfest und schwingungsarm.

Für Beobachtungen im Stehen empfiehlt es sich, einen soliden Unterstand zu bauen, denn das komplette Gerätt wieht immerhin 26kg!

 

 


Saturn mit Toucam II pro (5% aus500 Bildern)

 

OPTIK

Die 200/1200 Optik ist nach dem klassischen Newton-Prinzip gebaut. Die Öffnung" beträgt 1:6 und stellt damit einen guten Kompromiss dar. Der Parabolspiegel aus BK7 Glas liefert in der Tat ein tadellos scharfes beugungsbegrenztes Bild. Die Leistung der Optik lässt diesbezüglich keinerlei Mängel erkennen. Die Bilder sind messerscharf. Der große Fangspiegel leuchtet das Gesichtsfeld optimal aus. Das Fernrohr trennt Doppelstern mit 1" Abstand mühelos und erreicht bei klarer suaberer Luft Sterne 13. Größe. Durch das "Allround-Öffnungsverhältnis 1:6 leistet das Fernrohr sowohl an Mond und Planeten als auch bei schwachen Gasnebeln und Kugelsternhaufen erstaunliches. Der Kontrast und die Bildschärfe an Mond und Planetem überzeugen auch verwöhnte Beobachter. Sterne sind absolut punktförmig und lassen darauf schließen, dass der echte Parabolspiegel mit Fachkenntnis produziert wurde.

Alle Spiegeloberflächen verfügen über eine helle Aluminium-Verspiegelung. Zwei mitgelieferte 25mm und 10mm Okulare vom Typ Super-Plössl erweisen sich als gute Grundausstattung. Dass im Fernrohr noch weit mehr steckt, merkt man dann, wenn man die Okularsammlung noch durch ein 32mm Weiwinkel mit 52mm Steckdurchmesser und ein 5 mm Okular ergänzt. Letzteres erreicht bei der Brennweite von 1200mm bereits 240fache Vergößerung. Mehr davon ist kaum sinnvoll, da hierzulande das Seeing der Vergößerung Grenzen setzt, die auch der größte Geldbeutel nicht umgehen kann

Wie im unteren Bild links sichtbar wird der Hauptspiegel nur am Rand in seiner Fassung gehalten. Da der Spiegel aber ausreichend dick ist, vrbiegt er sich deshalb nicht und liefert die o.g. Abbildungsleistung. Es empfiehlt sich aber wegen der schnelleren Abkühlung eventuell untergelegte Deckel zu entfernen. Hier sind auch die Einstell. und Kontershrauben zu sehen, mit denen der Spiegel justiert wird. Unterzeiht man den Tubus keiner Misshandlung ist die Justierung über sehr lange Zeit stabil. Ein preiswertes Justierokular sollte aber bei keinem Dobsonbesitzer fehlen.

Der 9mal50-Sucher liefert ein scharfes Bild und ist dank des großes Abstandes zum Tubus einigermaßen gut mir dem Auge zu erreichen. Auch er kann mittels dreier Zentrierschrauben exakt justiert werden.

 

MECHANIK

Ein Dobson hat nur wenige mechanische Teile, doch die sind von erstaunlicher Qualität. Der Crayford-Auszug verfügt über große Handräder, so dass er auch mit Handschuhen im Winter leicht bedient werden kann. Der Schlupf lässt sich mit zwei Stellschrauben justieren. Es werden serienmäßig zwei Adapter für 31,5 und 51mm Okulardurchmesser bereits mitgeliefert.

Der Auszug läuft weitgehend ruckelfrei und trägt auch problemlos Kameras über zusätzliche Adapter. Da der Dobson jedoch keine Nachführung besitzt sind der Astrofotografie gewisse Grenzen gesetzt. Jedoch können durch afokale Fotografie mit hinter das Okular gehaltene oder geschraubte Digitalkameras überracehnde Ergebnisse erzielt werden. In ähnlicher Weise kann auch mit einer lichtempfindlichen Videokamera gearbeiter werden, die einfach per Hand hinter das 25mm-Okular gehalten wird. Per Zoom kann man die passende Vergrößerung einstellenn und kurze Sequenzen von Mond oder Planeten aufnehmen. Diese können dann mit den weit verbreiteten programmen GIOTTO oder REGISTAX "entawckelt" addoert und weiterverarbeitet werden. (siehe hier).

 

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es inwzischen für Dobson digitale Teilkreise, ja sogar elektrische Steuerungen gibt. Angesichts der Preise für solches Zubehör, die ein Mehrfaches des Anschaffungspreises betragen können, muss jeder selbst entscheiden, ob er solches für sinnvoll hält. Da wäre es sicher reizvoller, sich selbst eine äquatoriale Plattform zu bauen, mit der sich für eine gewisse Zeit eine Nachführung reasisieren lässt.

 

Der Skywatcher 200/1200 Dobson als Schulfernrohr


Ein äußerst preisgünstiges und dabei erstaunlich hochwertiges Teleskop. Es eignet sich als "nächster Schritt" dann, wenn einem das 11cm oder 15cm Teleskop den Blick zu fernen Galaxien und Gasnebelmn verwehrt, weil solche Fernrohre für manchen zu wenig Licht sammeln. Neben dem 820fachen Lichtsammelvermögen des Dobsons erlaubt der größere Spiegeldurchmesser auch mehr Detailerkennung, denn das Auflösungsvermögen hängt vom Spiegeldurchmesser ab.

Im schulischen Einsatz ist ein Dobson erste Wahl, weil es das robustes Fernrohr ist, das auch manchen Schubs wegsteckt und an dem fast nicht kaputt gehen kann. Der geringe Anschaffungspreis im Verhätnis zu dem gewonnenen Mehrwert ist ein weiteres Argument für einen Dobson als Schulfernrohr. Das Bild des Jupiter links zeigt, was mit etwas Ausdauer und mit Hilfe einer kleinen Webcam möglich ist und lässt erahnen wie beeindruckend das Teleskop Mond und Planeten zeigt.